Was online passiert, ist nicht harmloser, nur weil es digital passiert. Wer im Netz bloßgestellt, imitiert oder sexualisiert wird, erlebt oft Scham, Angst und massiven Kontrollverlust. Genau deshalb ist digitale Gewalt kein Randthema, sondern eine reale Form von Grenzverletzung. Digitale Gewalt ist reale Gewalt.
Warum der Fall Collien Fernandes so viel auslöst
Wie ernst das Thema ist, zeigt auch der Fall Collien Fernandes: Sie wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, sich online als sie ausgegeben und in ihrem Namen sexualisierte Kontakte angebahnt zu haben. Eine inhaltliche Stellungnahme zu den Vorwürfen liegt bislang nicht vor; es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall macht dennoch sichtbar, wie tief digitale Gewalt in Würde und Selbstbestimmung eingreifen kann. Der Fall hat die Debatte über digitale Gewalt in Deutschland aber deutlich verstärkt.
Was unter digitale Gewalt fällt
Digitale Gewalt ist ein Sammelbegriff für gezielte Übergriffe im digitalen Raum. Dazu gehören etwa Fakeprofile, Doxing, Cyberstalking, beleidigende oder bedrohende Nachrichten, die Verbreitung intimer Inhalte ohne Einwilligung oder sexualisierte Deepfakes. Das Netz wird dabei nicht nur zum Tatort, sondern oft auch zum Verstärker von Machtmissbrauch.
Gerade pornografische Deepfakes stehen aktuell besonders im Fokus. Dabei werden mit künstlicher Intelligenz täuschend echte Bilder oder Videos erzeugt, die Betroffene in Situationen zeigen, die nie stattgefunden haben.
Ein Blick nach Europa
Eine Vorreiterrolle nimmt zuletzt Italien ein: Als erstes europäisches Land stellte es die Verbreitung KI-generierter oder manipulierter Inhalte unter Strafe. Dafür wurde ein eigener Tatbestand in das italienische Strafgesetzbuch aufgenommen. Vorgesehen sind Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren; der gezielte missbräuchliche Einsatz von KI soll dabei strafschärfend wirken.
Stellvertretender Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Günter Krings
Spanien geht bei geschlechtsbasierter und digitaler Gewalt weiter als Deutschland. Seit der Reform von 2022 steht mit der „Solo sí es sí“-Regelung das klare Einverständnis im Mittelpunkt. Außerdem werden dort inzwischen auch digitale sexualisierte Übergriffe wie Online-Identitätsdiebstahl, digitales Stalking oder die Verbreitung intimer Bilder ohne Einwilligung stärker erfasst. Künftig sollen auch KI-generierte sexualisierte Darstellungen realer Personen ausdrücklich unter Strafe gestellt werden.
Warum das Recht nachziehen muss
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig betont aktuell, dass vor allem Frauen besser vor digitaler Gewalt geschützt werden müssen.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig
So hat das Bundesjustizministerium am 20. März 2026 angekündigt, dass pornografische Deepfakes und weitere Formen digitaler Gewalt künftig besser erfasst und härter bekämpft werden sollen. Ziel ist es, bestehende Schutzlücken zu schließen und Betroffene wirksamer zu schützen.
Digitale Gewalt ist reale Gewalt
Der Blick auf aktuelle Fälle und rechtliche Entwicklungen zeigt: Digitale Gewalt ist längst kein Nischenthema mehr. Sie betrifft die Intimsphäre, die Identität und die Selbstbestimmung von Betroffenen oft ganz unmittelbar. Deshalb ist es so wichtig, digitale Übergriffe ernst zu nehmen, rechtlich klar zu benennen und Frauen darin zu stärken, ihre Rechte im Netz zu kennen und einzufordern. Digitale Gewalt ist reale Gewalt.


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